Besser lange leben!

Schwanstetten. „Besser lange leben – Wie wollen wir altern?“ war das Thema eines Vortragsabends zu dem die Kolpingsfamilie Schwanstetten und die KEB Katholische Erwachsenenbildung LKR Roth und Stadt Schwabach in das Katholische Kirchenzentrum Schwanstetten eingeladen hatten. 

Als Referenten konnte der renommierte Altersforscher Prof. Frieder Lang von der Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen-Nürnberg gewonnen werden. Lang leitet an der Uni das Institut für Psychogerentologie. Folgende Fragen sollte der Vortrag klären: 

Altern: Schicksal oder Lebensstil? 
Was hält uns von einem besseren langen Leben ab? 
Was ist Willenskraft und was bedeutet Lebenswille? 
Wie veränderlich oder stabil ist der Lebenswille?

Zu Beginn seines einstündigen Vortrages fragte er die Zuhörer im vollbesetzten Pfarrsaal: 

Stellen sie sich vor Ihnen wird ein Medikament angeboten, durch das man 15 Jahre länger in Gesundheit leben kann: Würden sie das Medikament nehmen? Wenn ja: wie wollen sie die gewonnenen Jahre gestalten? Wenn nein: was hält sie ab? Überraschender Befund für die 1950 und zuvor Geborenen, sie leben schon 15 Jahre länger, wie die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland war. Aber auch für alle Jüngeren gute Nachricht: Heute liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland für Männer bei 79,1 Jahren und für Frauen bei 83,6 Jahren für Frauen. Weltweiter Durchschnitt 73,8 Jahre. Im Jahr 1950 waren es nur 46,4Jahre.

1. Die persönliche Lebenserwartung ist nur zum kleinen Teil erblich: zumeist wird ein genetischer Einfluss von 25-40% beobachtet. Mehr als 50% der Erkrankungen sind durch den Lebensstil bedingt. Sechs bewährte Regeln für ein gesundes Leben: Guter Schlaf und wenig Stress, Soziale Aktivität und Freundschaft, Liebevolle Beziehungen und Familie, Moderate tägliche Bewegung plus Kraftübung, Mediterrane, fleischarme Ernährung plus Ergänzung, Neues lernen (persönliches Wachstum) 2. Was hält uns vom gesunden Lebensstil ab? Schlafmangel, Stress und Belastung, Einsamkeit, Sitzen, Alkoholkonsum und Rauchen, Negative Bewertung des Alterns, Ageismus (z.B. „in meinem Alter ist es zu spät“) Für jeden der Punkte sind hohe Erkrankungsrisiken belegt. Lebensstil und Einstellungen sind veränderbar.

3. Was bedeutet Willenskraft? Vier bewährte Beispiele für Übungen um mehr Willenskraft: Gezielt Situation wählen, die den eigenen Wünschen entsprechen. Versuchungen meiden. – Wenn-dann Regel formulieren. z.B. wenn mir Wein angeboten wird, dann bitte ich um Wasser. – Erkennen, dass sich die eigene Willenskraft ständig erneuert.- Nur einen Vorsatz. Nicht mehrere Vorsätze zugleich. 4. Was bedeutet Lebenswille? Wunsch nach einem langen oder verlängerten Leben – Wertschätzung des (langen) Lebens-, Vermeidung von Leiden steht im Vordergrund des Langlebigkeitswunsches. Was führt zu höherem Lebenswillen? Eine Auswahl zu neueren Befunden bei 75+jährigen: Gewinnbezogenes Altersbild, Mobilität und Bewegung, Lebensfreude (geringe Depression), Flexibilität und Akzeptanz, Sich ein längeres Leben wünschen. Keine Rolle spielen u.a.: Alter, Gesundheit, Einkommen, Bildung.

Fazit: Besseres langes Leben beschreibt einen Weg, kein Ziel. Der Weg hängt vom Lebensstil mehr ab als vom Schicksal -umso mehr – je älter man ist. Das bessere lange Leben zeigt sich im Umgang mit Herausforderungen: bei Verlust, Ausgrenzung oder Krankheit. Willenskraft ist die Fähigkeit widrigen Umständen zu widerstehen, ohne zu erschöpfen. Der Lebenswille wird gestärkt durch eine lebensbejahende Grundhaltung, Akzeptanz und gesunden Lebensstil. Aber: niemand muss leben wollen. Zum Abschluss seines Vortrages zitierte Prof. Lang noch ein besseres Fazit von Carl Gustav Jung, dem schweizerischen Psychiater, „Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendlichkeit bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium des Lebens… Wenn man versteht und fühlt, dass man schon in diesem Leben in das Grenzenlose angeschlossen ist, ändern sich Wünsche und Einstellung.“ In der Fragerunde wollte ein 90jähriger wissen, was ist der Sinn des Lebens? Prof. Lang gab diese philosophisch/theologische Frage an Pfarrer Michael Kneißl weiter. Dieser erhielt Zwischenapplaus für seine Bemerkung zwei namentlich genannte Weltmachtpolitiker wünsche er kein langes Leben. Die Frage Beantwortete er so: „Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr leben“. Für seinen Vortrag erhielt Prof. Lang viel Beifall. Er wurde von Paul Barth mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Das Buch von Frieder R. Lang „Besser lange leben, Wie Sichtweisen und Einstellungen unser Altern prägen“ gibt es zum Nachlesen überall im Buchhandel.

(Paul Barth)