Unsere Sternsinger, ein Segen für viele
„Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“. Unter diesem Motto stand die diesjährige Sternsingeraktion. Kinder leiden besonders unter Ungerechtigkeit, unter Ausbeutung, unter Armut. Um Kinder in Bangladesch und anderen Ländern zu helfen, sind Kinder und Jugendliche in Wendelstein drei Tage lang als Sternsinger losgezogen. Dank ihres großartigen Einsatzes konnte das Rekordergebnis von 24.085 € Spenden gesammelt werden. Zu diesem Betrag haben auch die Besucher des Dreikönigskonzert mit ihren Spenden beigetragen. Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus sagt allen großzügigen Spendern herzlichen Dank. Ihre Spende kommt garantiert an.
Ein besonderer Dank gilt natürlich den Aktiven: 50 Kindern und Jugendlichen, 22 erwachsenen Begleitern und dem ausdauernden Team um Sonja Baumann und Monika Fass, das die ganze Aktion organisiert und die königlichen Hoheiten wunderbar verköstigt und gestärkt hat.
Im Gottesdienst zu Dreikönig haben wir über unsere Erfahrungen nachgedacht:
„Das waren nicht nur Sternstunden, sondern ganze Sternentage, die wir bei unserer Sternsingeraktion erlebt haben. Drei Tage lang habt ihr euch auf die Spuren der Sternsucher gemacht, von denen wir im Evangelium gehört haben. Wir sind miteinander mit wachem Blick durch unseren Ort gezogen. Jedes Haus, jede Wohnung ist eine Herausforderung. Wir wissen nicht, was geschehen wird.
Drei Erfahrungen aus meiner Gruppe möchte ich mit euch teilen und bedenken. Ich kann mir vorstellen, dass alle Gruppen Ähnliches erlebt haben.
Wir begegnen vielen alten Menschen:
„Ich habe schon so auf euch gewartet“, sagt eine alte Frau. Sie hat Geschenke für uns vorbereitet und Geld.
Wir haben uns in der Gruppe beim Weitergehen gefragt: Warum freuen sich so viele ältere Menschen auf uns? Und wir haben zwei Antworten gefunden: Sie freuen sich über Besuch, denn oft sind sie einsam. Und zweitens: Sie haben schon lange gelebt und setzen ihre Hoffnung auf Gott. Wir können von den alten Menschen lernen.
Wir haben gedacht: Es lohnt sich, ein bisschen länger zu warten, bis eine Tür sich nach dem Klingeln öffnet, weil alte Leute nicht so schnell rennen können.
Wir begegnen Menschen mit anderen Religionen. An einer Haustür entdecken wir hebräische Buchstaben. Der Familienvater trägt eine Kette mit einem Davidstern. Wir verstehen, er ist Jude. Er glaubt an Gott. Wir fragen, ob wir kommen und unseren Segen sagen dürfen. Das dürfen wir. Jemanden zu segnen ist keine Erfindung des Christentums. Schon im Alten Testament, der Heiligen Schrift der Christen und Juden stehen wunderbare Segenssprüche zum Beispiel: „Der Herr segne und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig.“
Wir haben gedacht: Segen bringen ist eine sehr besondere Sache.
Wir begegnen Menschen, denen es gut geht, und Menschen, denen es offensichtlich schlecht geht. Die krank sind, nicht mehr gut sehen, nicht mehr gut hören, Tränen in den Augen haben vor Kummer. Besonders diese Menschen machen uns sehr freundlich die Türe auf. Sie sagen: „Schön, dass ihr kommt. Das tut uns gut.“ Ihre Augen sagen: „Ihr gebt mir Hoffnung und Mut.“ Wir haben gedacht: Diese Begegnungen machen uns ja selbst Mut, so dass wir durchhalten, weil es wichtig ist.
Und was haben die Sterndeuter damals gesehen, unsere Vorbilder? Sie kamen von weit her, von ihrer Religion wissen wir nichts, aber auf jeden Fall waren sie auf der Suche nach Gott. Sie haben nicht jedes Haus abgeklappert, sondern nach dem einen, richtigen Haus gesucht. Sie waren erst an der falschen Adresse, beim mächtigen, reichen König Herodes, der auf keinen Fall einen anderen König neben sich haben wollte. Sie haben am Ende ihrer Reise keine alten Leute angetroffen, sondern eine junge Familie mit einem neu geborenen Kind. Jesus! Sie haben ihm ihre Schätze geschenkt. Sie hoffen auf ihn, dass er von Gott kommt und die Zeiten wendet zum Guten. Eine starke Hoffnung!
Wie wir sind sie nach ihrer Sternenreise zurück in ihr „normales“ Leben gegangen. Bestimmt mit sehr viel Schwung.
Wie wir waren sie von Freude erfüllt.
Lasst diese himmlische Freude in euch leuchten.
Liebe Sternsinger, liebe Familien, liebes Kochteam, liebe Begleitkamele, liebe tatkräftigen Unterstützer/innen der Sternsingeraktion. Ihr habt wunderbar, ausdauernd zusammen ein starkes Netz des Segens über Wendelstein ausgeworfen. Wir freuen uns und sagen „Danke“!
Annegret Langenhorst
Die Symbole der Sternsinger:
Ich bringe einen Stern.
In der Bibel stehen Sterne für Gottes Schöpfung, Wegweiser, Hoffnung, Leuchten der Gerechten und die Herrlichkeit Gottes. Und auch Jesus wird als Morgenstern bezeichnet.
Wir haben mit unserem Besuch – unter einem guten Stern – den Menschen unserer Gemeinde ein Strahlen und Leuchten ins Gesicht gezaubert.
Ich bringe die Kreide und Aufkleber.
Segen bringen: Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus und alle in diesem Haus.
Segen sein für andere: Das fühlt sich echt gut an. Wir haben Segen gebracht. Es ist schön, wenn sich Groß und Klein unter Gottes Geleit und Segen stellen.
Ich bringe eine Spendendose.
Papst Leo hat ein Schreiben mit dem Titel Dilexi te veröffentlicht. Dabei geht es um die Liebe zu den Armen. Unsere Sternsinger nehmen das ernst.
Wir sind unendlich stolz: Wir dürfen Kindern in Not helfen. Kinder dürfen – dank unserer Hilfe – in die Schule gehen und müssen nicht mehr arbeiten.
Ich bringe einen Korb mit Süßigkeiten.
Segen in vielfältiger Form in Hülle und Fülle – auch in der Tischgemeinschaft. So wie Jesus es uns vielfältig vorgelebt hat.
Wir wurden auch reichlich belohnt: Süßigkeiten in Massen. So dürfen wir aber von diesen Geschenken auch wieder andere Kinder im Kinderheim und bedürftige Menschen beschenken.
Monika Fass
Fotos: Konrad Sailer