Zwei Stationsgebete in der Fastenzeit und der Versöhnungsgottesdienst
Stationsgebete beim Standesamt, Altes Rathaus, und in der Physiopraxis Bechter in Röthenbach b. St.W.
Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) von St. Nikolaus lud an zwei Sonntagen in der Fastenzeit zum nachmittäglichen Gebet ein. Eine lebendige Kirche darf nicht auf das Gotteshaus beschränkt sein, die Kirche muss da an Ort und Stelle sein, wo sich das alltägliche Leben abspielt, so Pfarrer Kneißl zum Hintergrund dieser „Stationsgebete“.
Am vierten Fastensonntag füllten zahlreiche Gläubige aus Pfarrei St.Nikolaus den Standesamt im Alten Rathaus. Die Gestaltung des Gottesdienstes mit Liedern, Gebet und Psalmen übernahm Dr. Georg Langenhorst. Das Motto des Stationsgebets hieß „Eingetragen ins Buch des Lebens…“.
Zum Inhalt des Gottesdienstes – siehe unten.
Bürgermeister Werner Langhans erzählte von der Historie des Trausaals im Alten Rathauses. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Standesbeamter und konnte er von einigen interessanten Episoden berichten.
Bei der Verabschiedung bedankte sich der KAB-Vorsitzende Konrad Sailer beim Bürgermeister und KAB-Mitglied Werner Langhans für die gastfreundliche Aufnahme.
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In der Physiopraxis Bechter in Röthenbach b.StW. fand eine Woche später das zweite Stationsgebet statt. Dieses Mal unter dem Motto des Stationsgebets „Von der heilenden Gegenwart in der Welt…“.
Die Heilung am Teich Bethesda (Johannes 5,1-18) wurde verlesen. Es ist ein zentrales Wunder Jesu in Jerusalem, bei dem er einen seit 38 Jahren Gelähmten an einem Sabbat allein durch sein Wort heilte. Der Kranke wartete vergeblich auf Hilfe durch das sporadisch bewegte Wasser, das als heilkräftig galt. Jesus forderte ihn auf: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“
In ihrer anschießenden Betrachtung ging Frau Dr. Anne Langenhorst, die den Gottesdienst leitete, auf das Thema näher ein. Zum Inhalt der Gottesdienstes – siehe unten.
Kathrin und Max Bechter berichten von ihrer Tätigkeit als Physiotherapeuten und von der Entstehung der neurenovierten Räume zur Physiopraxis in der jahrhunderte alten Scheune.
Am Schluss bedankte sich Konrad Sailer bei Kathrin und Max Bechter für die gastfreundliche Aufnahme.
Konrad Sailer
„Eingetragen ins Buch des Lebens“
Stationen-Gebet KAB Wendelstein, Altes Rathaus
1. Begrüßung
2. Lied: Du hast uns, Herr, gerufen (GL 704)
3. Hinführende Gedanken / Schrifttext
Es braucht die menschliche Verwaltung von Geburt, Eheschließung, Tod: uralte Tradition. Einen biblischen Belegtext kennen wir Lk 2:
Das römische Weltreich, zu dem damals auch Israel gehörte, wurde von Kaiser Augustus regiert. Die Verantwortung für die Teilprovinz Syria lag bei dem kaiserlichen Statthalter Quirinius. Und Herodes war der von Rom eingesetzte Herrscher in Israel. Eines Tages erließ der Kaiser den Befehl, dass sich alle Menschen in seinem Reich in Steuerlisten eintragen sollten. Dazu musste jeder Mann an den Ort gehen, wo er geboren und aufgewachsen war.
Maria lebte mit ihrem Verlobten Josef in der kleinen Bergstadt Nazaret im Norden des Landes. Sie erwartete ein Kind. Josef aber stammte aus der Geburtsstadt Davids, Betlehem, die in der Nähe von Jerusalem lag, weit fort. Maria und Josef machten sich gemeinsam auf den Weg. (nach Lk 2, 1-5)
4. Lied: Meine engen Grenzen (GL 437)
5. Biblisch: Menschliche Institution: ja, aber es gibt eine andere Geborgenheit: Gott schreibt sein „Buch des Lebens“. Wir sind dort verzeichnet. Ein tröstliche Gedanke. EIN biblischer Beleg:
Ps 40, 8f.: Der Beter spricht zu Gott: „Siehe, Gott, ich komme zu dir. In deiner Buchrolle steht es über mich geschrieben. Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen. Und deine Weisung ist verankert tief in mir.“

Und in der jüdischen Liturgie findet sich folgender Gebetsruf:
„Gedenke unser zum Leben, HERR. Du willst, dass wir leben. Schreibe uns in das Buch des Lebens, um deinetwillen, Ewiglebender.
Ein schöner Gedanke: Wir stehen im ‚Buch des Lebens‘. Gott hat unseren Namen dort eingetragen. Unser Leben notiert. Unsere Fähigkeiten bestimmt. Jeden anders! Und er lässt uns die Freiheit, damit wir uns selbst einschreiben in das Buch. Wir schreiben mit an unserer Geschichte. Von Gott stammt die Befähigung, wir selbst dürfen das Leben gestalten. Die Gabe des Lebens wird zur Aufgabe. Und entscheidend: Gott bliebt der Redakteur: Wenn uns etwas schlecht gelingt, kann er das ‚Kapitel‘ verbessern. Er schaut nicht mit bösem, kritischem Blick, sondern liebevoll: als Helfender, als Freund, als Tröster. Als jemand, dessen Schrift unser fehlerhaftes Gekritzel und Gestammel unendlich verbessert. Ja, wir selber schreiben am Buch unseres Lebens mit. Aber Gott ist der Lektor und der Herausgerber. Er wird unsere Geschichte schon verbessern, wo nötig. Die letzte Verantwortung für das Buch unseres Lebens können wir getrost in seine Hand legen.
6. HERR, DU erforschst mich und kennst mich
Nach Psalm 139
HERR, DU erforschst mich und kennst mich,
ob ich sitz oder stehe, DU weißt es.
Ob ich geh oder ruhe, DU misst meinen Schritt,
DU kennst mich auf all meinen Wegen.
A. Bevor ich ein Wort im Mund forme,
hast DU es, o HERR, schon gewusst.
DU hältst mich geborgen, umschlossen,
fest ruh ich in Deiner Hand.
Zu wunderbar ist dieses Wissen,
kaum traue ich meinem Glauben.
B. Wohin könnt ich gehen von Dir?
Wohin denn fliehn vor Deinem Blick?
Flöge ich auf zum Himmel – zu Dir!
Stieg ich hinab in die Tiefen – zu Dir!
A. Ergriff ich die Flügel des Morgenrots
und ließe mich nieder am Ende des Meers,
selbst dort wiese Dein Rat den Weg
und führtest DU mich an der Hand.
B. Sagte ich: Dunkel sei um mich herum,
selbst das Licht um mich sollte wie Nacht sein,
so wäre das Dunkel nicht Dunkel für Dich,
und die Nacht leuchtet hell wie der Tag.
A. DU hast mir mein Wesen geschaffen,
mich im Schoß meiner Mutter geformt.
Danke: ich bin wie ich bin,
staunenswert und wunderbar.
Gewaltig ist deine Kraft.
DU kanntest mich vor meiner Zeit,
mein Tag steht schon in Deinem Buch.
B. Erforsch mich, mein Gott, und mein Herz,
Erkenne mein Denken und prüf mich.
Schau, ob ich wandle den rechten Pfad,
leite DU mich den Weg auf ewig.
HERR, DU erforschst mich und kennst mich,
ob ich sitz oder stehe, DU weißt es.
Ob ich geh oder ruhe, DU misst meinen Schritt,
DU kennst mich auf all meinen Wegen.
(nach Psalm 139)
8. Lied: Herr, du bist mein Leben (GL 456)
9. Blick hinaus: Fürbitten (frei)
10. Vaterunser
11. Lied: Komm, Herr, segne uns (GL 451)
(Gestaltung/ Texte: Georg Langenhorst)
„Von der heilenden Gegenwart in der Welt“
Stationen-Gebet in der Physiotherapeutischen Praxis Bechter in Röthenbach / St.W.
Begrüßung:
Wer einen Termin beim Physiotherapeuten hat, kann sich glücklich preisen. Oft gibt es lange Wartelisten. Wir freuen uns, dass wir heute vor Ort sein dürfen. Vielen Dank an Kathrin und Max Bechter, die sich die Zeit nehmen und uns hierher eingeladen haben, auch ohne Krankenschein und Privatversicherung.
Lied: Komm herein und nimm dir Zeit für dich
Krankheit, Verletzungen und Heilung sind Themen, die jeden Menschen irgendwann mal betreffen. Und wenn man dann verletzt oder krank ist, kann man kaum noch an anderes denken. „Hauptsache Gesundheit“ sagen viele, aber stimmt das? In der Bibel finden wir auch Erfahrungen vom Kranksein und geheilt werden. Beten wir einen Psalm, in dem sich der Beter glücklich bei Gott bedankt für Heilung und das Geschenk des Lebens.
Psalm 147
1Halleluja! Ja, gut ist es, unserem Gott zu singen und zu spielen, *
ja, schön und geziemend ist Lobgesang.
2Der HERR baut Jerusalem auf, *
er sammelt die Versprengten Israels.
3Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, *
er verbindet ihre Wunden.
4Er bestimmt die Zahl der Sterne *
und ruft sie alle mit Namen.
5Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft, *
seine Einsicht ist ohne Grenzen.
6Der HERR hilft auf den Gebeugten, *
er drückt die Frevler zu Boden.
7Stimmt dem HERRN ein Danklied an, *
spielt unserem Gott mit der Leier!
8Er bedeckt den Himmel mit Wolken, /
er spendet der Erde Regen, *
er lässt Gras auf den Bergen sprießen.
9Er gibt dem Vieh seine Nahrung, *
den jungen Raben, die schreien.
10Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses, *
er hat keinen Gefallen an der Kraft des Helden.
11Gefallen hat der HERR an denen, die ihn ehren, *
an denen, die auf seine Liebe warten.
Bericht „aus der Praxis“:
Lieber Max Bechter, auf Ihrer Homepage schreiben Sie so schön über Ihre Praxis: Sie wollen die Menschen, die zu Ihnen kommen „auf Ihrem Weg zu Gesundheit und Wohlbefinden begleiten und unterstützen.“ Erzählen Sie uns doch bitte darüber, wie das hier so zugeht. Ich freue mich, wortwörtlich „Aus der Praxis“ zu hören.
Lied: Ubi Caritas
Schriftlesung: Die Heilung am Teich Betesda
1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2 In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; 3 in denen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Ausgezehrte.
5 Dort lag auch ein Mensch, der war seit achtunddreißig Jahren krank. 6 Als Jesus ihn liegen sah und erkannte, dass er schon so lange krank war, fragte er ihn: „Willst du gesund werden?“ 7 Der Kranke antwortete ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, sobald das Wasser aufwallt; während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.“ 8 Jesus sagte zu ihm: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“ 9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Liege und ging.

Gedanken zum Bibeltext:
Mensch, der Arme! 38 Jahre schon krank! Offensichtlich kann der Mann aus dieser Erzählung nicht richtig gehen, er muss sich mühsam hinschleppen an den Teich, an dem schon manche hoffnungslose Fälle geheilt worden sind. Die Erzählung ist eine von mehreren intensiven Heilungsgeschichten im Johannesevangelium.
Sie spitzt die Situation ja sehr drastisch zu: in 5 Hallen liegen die Kranken Menschen herum und hoffen auf die Heilkraft des Wassers. Die Geschichte lässt vermuten, dass nur der Erste, der das nur manchmal aufwallende Wasser erreicht, eine Chance auf Heilung hat. Ein Wettlauf um Heilung, „survival oft he fittest“, aber hier ist ja keiner fit! Das klingt aussichtslos für all die vielen.
Diese 5 Säulenhallen, so haben Archäologen recherchiert, gab es wirklich, nahe der heutigen wunderschönen Anna-Kirche. Vielleicht gehörten sie zu einem antiken Heiligtum für den Gott Askläpios. Doch ob dort zur Zeit Jesu ein Teich mit Heilwasser war, kann man nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Der Name des Teiches „Betesda“ könnte vom Hebräischen „Beit Hišta“ (Haus der Gnade) kommen. Und dieser Name passt zu unserer Geschichte.
Jesus nimmt diesen einen Mann in den Blick, denn er „erkannte, dass dieser schon so lange krank war“. Es ist eine exemplarische Geschichte, das wird uns klar. Die anderen Kranken werden ausgeblendet, dieser Eine ist nun wichtig. So wird es hier auch sein: der Eine, konkrete Patient, der jetzt dran ist, steht im Fokus.
Jesus bekundet kein Mitleid, stellt auch keine Diagnose, sondern die bedeutsame Frage „Willst du gesund werden?“ Ich denke, diese Frage, von Herzen mit „Ja“ beantwortet, kann im Kranken schon unglaubliche Heilkräfte auslösen. Das werden sie hier in der Praxis bestimmt auch erfahren.
Der Mann antwortet gar nicht mit Ja, sondern beschreibt, warum es ihm all die Jahre nie gelungen ist, sich dem heilenden Wasser zu nähern. Er hat es oft mit seiner eigenen Kraft versucht, stelle ich mir vor. „Ich habe keinen Menschen, der mir hilft“! Ein schlimmer Satz. Es gibt psychologische Deutungen dieser Geschichte, die darauf zielen, dass du eben nicht darauf warten sollst, dass jemand anderer dir hilft, sondern selbst beiträgst zu deiner Heilung. Aber mir tut das weh. Die Wucht dieses Satzes „Ich habe keinen Menschen, der mir hilft“, müssen wir schon erstmal aushalten. Er beschreibt die Erfahrung von vielen, auch heute. Einsamkeit ist schon schlimm, aber krank sein und einsam ist unerträglich. Wozu das Ganze?
Wir haben gerade in meiner Familie schwere Zeiten erlebt. Meine Mutter ist Anfang Januar sehr sehr schwer gestürzt, hat sich schlimm verletzt, war sogar eine Woche auf der Intensivstation. Zahlreiche Brüche und Verletzungen hat sie erlitten. Gott sei Dank hatte sie viele Menschen, die ihr geholfen haben. Dank der kompetenten Pflege toller Menschen im Krankenhaus und der Reha-Klinik ist sie nun auf dem Weg der Genesung, Gott sei Dank. Auch sie musste sich erstmal durchkämpfen, mit über 80 zu sagen, ja, ich will wieder gesund werden, ich halte durch und halte mich fest am Glauben. Gerade die Physiotherapeut*innen haben mit ihr freundlich und geduldig trainiert, so dass es jeden Tag ein Schrittchen besser wurde. Es grenzt an ein Wunder, wie gut die Brüche und Wunden verheilt sind.
Meine Hochachtung gilt den Menschen, die so kompetent und liebevoll Menschen auf dem Weg zur Heilung begleiten: Pflegende, Ärzt*innen, Physiotherapeut*innen. Sie leben die „heilende Präsenz in der Welt“. Jesus hat dies mit seiner besonderen Heil-Kraft ausgestrahlt, er ist zugleich Physiotherapeut als auch Psychotherapeut, heilt die Menschen an Leib und Seele. Er sorgt für eine Auferstehung im Leben, wenn er dem Mann einfach sagt, „steh auf“. Und oh Wunder, der Mann steht auf, braucht seine Liege nicht mehr, gibt sein Pflegebett zurück!
So schnell und so gut geht es im Alltag ihrer Praxis bestimmt nicht. Aber Fortschritte zu sehen, Menschen helfen zu können, muss eine wirklich erfüllende Arbeit sein. Vermutlich wünschen sich die meisten, die mit einem Bruch oder einer Verletzung hierher kommen, dass es nach der Therapie wieder so sein soll wie vorher. Aber auch wenn alles ideal verheilt ist, ist es ja nicht so wie vorher: Die Menschen haben die Erfahrung gemacht, wie zerbrechlich, wie fragil wir sind. Sie werden aufmerksamer sein für andere, die krank sind. Und sie werden hoffentlich dankbar sein für das Geschenk der Gesundheit und das „Haus der Gnade“.
Erfahrung der Dunkelheit:
Lied: Durch das Dunkel
Bitten für Kranke und für Menschen, die sie pflegen und heilen, Vaterunser
Schlusslied: Herr wir bitten, komm und segne uns
(Gestaltung/ Texte: Annegret Langenhorst)
Fotos: Konrad Sailer
Versöhnungsgottesdienst
Balsam für Leib und Seele